Ein Haus für die Dommusik

Großer Probenraum im Dachgeschoss

Ein Haus für die Dommusik

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Von Uwe Balhorn und Andrea Fahl (Projektarchitektin)

Johannes Hatzfeld-Haus – das Haus der Dommusik

Johannes Hatzfeld-Haus – das Haus der Dommusik

Das Johannes Hatzfeld-Haus
befindet sich im Herzen der Paderborner Altstadt; in unmittelbarer Nähe zum Dom und Paderquellgebiet beherbergt es die Dommusikschule. Um  1900 erbaut, war es als Siechen- und Krankenhaus genutzt worden, bevor es später das Wohnhaus für zwei Domkapitulare wurde. Lange Zeit beherbergte es zudem die Wohnung des Dompfarrers und das Dompfarramt, sowie Räumlichkeiten für den Malteser Hilfsdienst. Nach dessen Umzug nutze die Dommusik das Gebäude zusammen mit dem Dekanatsbüro und dem Büro der Telefonseelsorge. Seit der Fertigstellung des Umbaus wird es nun komplett von der Paderborner Dommusik genutzt.

Die Aufgabe2008 wurde die architektur-werk-stadt BALHORN WEWER KARHOFF aus Paderborn mit dem grundlegenden Umbau, der Sanierung und Erweiterung des Hatzfeld-Hauses zur Dommusikschule beauftragt. Durch die Gründung der Mädchenkantorei und den Bedarf eines Stimmbildungsraums, eines Raums für musikalische Früherziehung, eines kleinen Chorraums, Aufenthalts- und Hausaufgabenraums sowie einer funktionierenden Verwaltung und Archivflächen musste das Raumprogramm der Dommusikschule deutlich erweitert werden. Hinzu kamen höhere Ansprüche an die Akustik und die Gestaltung. Ein weiterer wichtiger Punkt war zudem die Forderung des Brandschutzes einen zweiten baulichen Fluchtweg zu erstellen.

Die äußere Gestaltung des Anbaus
als Erkennungsmerkmal der Dommusikschule mit Bezügen zum Altbestand.

Das neue notwendige Treppenhaus wurde als Wandscheibe aus weißem Sichtbeton vor die historische Fassade gesetzt und der Zwischenraum  als gläserne Fuge erstellt und künstlerisch gestaltet. Entstanden ist ein spannungsvoller Dialog zwischen Alt und Neu.
Der Neubau-Giebel nimmt die vorhandenen asymmetrischen Neigungen des Bestand- Giebels auf, die je nach Betrachtungswinkel sofort ins Auge fallen.
Vorhandene Natursteinfriese der alten Fassade wurden in schlichter Form als eingelassenes Stahlband an der Sichtbetonfassade fortgeführt.

Die Verglasungen des Treppenhauses sind durch den Schrift-Künstler Brody Neuenschwander gestaltet worden.  Fragmente der Kirchenmusik wurden kalligraphisch mit sich überlagernden Schriften aus mehreren Jahrhunderten aufgebracht.

Neu angebautes weiteres Treppenhaus

Neu angebautes weiteres Treppenhaus

Glasdach und oberste Ebene des neuen Treppenhauses

Glasdach und oberste Ebene des neuen Treppenhauses

Die Öffnungen in der Sichtbetonwand wurden aus den Grundriss-Strukturen des Altbaus entwickelt und stellen Sichtbezüge zum historischen Außenraum her. So erlebt man beim Gang durch das Treppenhaus die verschiedensten Blickbeziehungen zum nahgelegenen Dom, zum Paderquellgebiet und zur Stadtbibliothek.

Die Innenräume

Inneres „altes“ Treppenhaus

Inneres „altes“ Treppenhaus

Unterrichts- und Probenraum 1

Unterrichts- und Probenraum 1

Das neue Raumkonzept sieht im Erdgeschoss den Verwaltungsbereich und den Spielraum für die Chor-Kinder vor. Dieser dient den Kindern als Aufenthaltsraum. In einem raumhohen Einbauschrank ist viel Platz für Notenmappen, Spiele und Archiv-Material.
Zur Hausaufgabenerledigung steht den Kindern noch die `Klause` im Untergeschoss des Hatzfeld-Hauses zu Verfügung, die nach den Proben auch als gemütlicher Treffpunkt genutzt wird. Das Treppenhaus im Altbau erlangte mit dem Umbau wieder seinen alten Charme zurück: Es sind Wände entfernt worden um dem Flur im Erdgeschoss mehr Großzügigkeit und Licht zu geben; Säulen und Mauerwerksbögen sind freigelegt und wieder hergestellt worden. Die historischen Türen im Erdgeschoss wurden erhalten und wieder aufgearbeitet, ebenso wie der bestehende Jura-Marmorboden. Das schmiedeeiserne Geländer der Treppe wurde restauriert und mit neuen Glasbrüstungen ergänzt.

Im 1. Obergeschoss befinden sich der kleine Übungsraum, der Stimmbildungsraum sowie der Raum für die Früherziehung. Durch den Abbruch einer Wand konnte Platz für den kleinen Übungsraum geschaffen werden.
Ein  festeingebautes Gesangspodest für 37 Sängerinnen und Sängern bestimmt den schmalgeschnittenen, konisch zulaufenden den Raum. Dieses wird zusammen mit der rückwärtigen Wandverkleidung und dem Deckensegel als ‚Klangkörper‘ im Raum aufgefasst. Im Deckensegel befinden sich Einbaustrahler zur optimalen Beleuchtung für die Sänger sowie ein umlaufend indirektes Licht.

Der Raum für die Früherziehung bietet Platz für spielerisches Heranführen an die Musik mit einem großen Klappspiegel an der Wand.

Großer Probenraum im Dachgeschoss

Großer Probenraum im Dachgeschoss

Grundriss des Dachgeschosses

Grundriss des Dachgeschosses

Im Dachgeschoss gelangt man zum Herz der Dommusikschule – dem  großen Übungsraum, der durch den Abbruch der Treppenhauswand deutlich vergrößert werden konnte. Hier befindet sich ein Gesangspodest für 94 Sänger, welches in seiner gebogenen Form und den Abtreppungen für optimale Blickbeziehungen zum Chorleiter sorgt.
Die gesamte Haustechnik ist nicht sichtbar im Proberaum eingebaut. Über die Podestanlage wird Frischluft zugeführt und im Drempelbereich wieder abgeführt. Hier sind ebenfalls die Konvektoren integriert. Auch schon vor dem Umbau wurde die Akustik in diesem Raum als ausgezeichnet bewertet. Besonders die sägeraue Holzschalung der Dachuntersicht trägt hierzu bei, sodass diese erhalten und nur weiß getüncht wurde.
Die indirekte Beleuchtung hinter den neuen Einbauschränken im Drempelbereich und zwischen den Kehlbalken verleiht dem einst dunklen Raum eine neue Großzügig- und Leichtigkeit.

neuer Treppenaufgang im Johannes Hatzfeld-Haus

neuer Treppenaufgang im Johannes Hatzfeld-Haus

Die Haupt-Treppe im Neubau verbindet alle Geschosse des Bestands-Gebäudes. In einer leichten Stahlkonstruktion mit Eichenholz-Stufen ist sie bewusst mit Abstand zu der ehemaligen Außenfassade platziert worden, dessen Natursteinfriese wieder aufgearbeitet wurden. Im Treppenhaus selbst befinden sich im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss abgetrennte Garderobenbereiche sowie im Dachgeschoss ein Verweilbereich mit Holz- Sitzstufen und einem faszinierenden Blick auf die gestalteten Verglasungen sowie in die angrenzende Dompropsteigasse.

In der neuen Wandscheibe wurden flächenbündig LED-Stäbe in rthymischer Anordnung eingelassen die in den Abendstunden das Treppenhaus illuminieren.

Das Materialkonzept
Durch  alle  Geschosse zieht sich das Materialkonzept aus hellem Eichenholz, dunkel durchgefärbten MDF- Platten, Stahlelementen, hellen Wandfarben sowie grünen Farbakzenten. Der Altbestand wurde behutsam aufgearbeitet, sämtliche neue Elemente sind mit Rücksicht auf die historische Substanz eingebracht.

Die Paderborner Domchöre – eine jahrhundertealte Sängertradition der Bischhofskirche zu Paderborn.

Mittlerweile werden in der Domsingschule nicht nur Jungen ausgebildet, auch eine große Mädchenkantorei  ergänzt den Domchor. Weiterhin werden in einer musikalischen Früherziehung auch schon die Kleinsten im Alter ab drei Jahren an die Musik herangeführt.

Die Erwachsenen-Chöre  setzen sich aus der Schola Gregoriania, – ehemalige Herren-Stimmen des Domchores, und der Domkantorei zusammen.

Dr. theol. H.c. Msgr. Johannes Hatzfeld
Johannes Hatzfeld (1882-1953) war als bedeutsamer Priester, Rektor, geistlicher Schriftsteller und Musiker tätig und ist 1952 zum Ehrenbürger der Stadt Paderborn ernannt worden.

  1. Johannes Josephs01-21-2014

    Hallo,

    beim Haus für die Dommusik wird auf dem Bild “ Großer Proberaum. Im Dachgeschoss“ nur ein Wasserzeichen „SU“ angezeigt, rechts daneben ,beim “ Grundriss des Dachgeschosses“ sehe ich nur das “ Teddy-Wasserzeichen“. Ich benute ein iPad. In der Dompropsteigasse ist an der Mauer beim Johannes-Hatzfeld-Haus ein Stein „A.D. 106d “ den könnte man auch erwähnen.

    Gruß

    Johannes Josephs

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